False Friends – Falsche Freunde auch im Englischen

Kein Englischkurs kommt ohne die sogenannten false friends aus. Denn diese sind ein besonderes Kapitel, wenn man Englisch lernen möchte. Aber keine Angst, wenn man die richtigen Ausdrücke kennt, hat man das spielend drauf und kann ganz leicht zwischen wahren und echten Vokabel-Freunden unterscheiden.

Aber erst einmal: Was sind false friends in der Fremdsprache?

Das sind Ausdrücke, die im Deutschen ähnlich oder genauso klingen, aber im Englischen eine ganz andere Bedeutung haben. Benutzt man diese Begriffe so wie im Deutschen, erzeugt das meist Verwirrung oder sorgt für einen amüsanten Moment. In meiner Tätigkeit als Englischlehrer stoße ich immer wieder auf solche Momente, die dann in der Regel auch einer gewissen Erklärung bedürfen.

Sind Sie auch schon einmal zu einem Hund geworden? Next year, I will become a dog. Äh. Nein, das wäre sehr merkwürdig. Die Verwandlung von einem Menschen in einen Hund funktioniert trotz moderner Wissenschaft noch nicht. Denn der oben zitierte Satz heißt nichts anderes als „Nächstes Jahr werde ich ein Hund.“ Hier hat uns der Begriff to become hereingelegt. To become heißt nämlich mitnichten bekommen, sondern werden. Ein Fehler, den viele begehen,  und to become ist das berühmteste Beispiel für einen false friend. Auch ich kann durch meine Lehrtätigkeit bestätigen, dass dieses Wort wohl eine der häufigsten Fehlerquellen ist, wenn es um das Englischlernen geht. Aber auch andere false friends kommen häufig vor und sind mir auch schon selbst begegnet. Im Folgenden präsentiere ich eine Auswahl mit den gängigsten.

Warnt man ein englischsprachiges Kind vor den Stacheln eines eagles, so wird man ebenso Gelächter ernten. Denn eagle heißt übersetzt Adler und nicht Igel (hedgehog).

Schreibt ein Schüler He drank the gift and died, so wird er dies ebenfalls von der Lehrkraft angestrichen bekommen, denn gift heißt Geschenk und nicht Gift, obwohl es einfach genauso klingt. Iin diesem Fall ist sogar die Schreibweise identisch. Eine besonders gemeine Form des false friends-Phänomens, wenn man es so sehen möchte.  

Manche Eltern sind besonders stolz darauf, wenn ihre Sprösslinge aufs gymnasium gehen. Bei Muttersprachlern werden sie da aber auf Unverständnis stoßen, denn seit wann ist es etwas Besonderes, in die Turnhalle bzw. zum Sport zu gehen? Das richtige Wort wäre grammar school gewesen – der englischen Entsprechung für das deutsche Gymnasium.

Um bei Begriffen aus der Schule zu bleiben, hier noch ein false friend, der für Lehrer sehr wichtig ist. I never oversee mistakes, so make sure, you learn your words. Da sollte der Lehrer wohl selbst noch einmal ins Vokabelbuch schauen, denn übersehen heißt to overlook. To oversee heißt beaufsichtigen. Hier sollte man also unbedingt peinliche Momente vermeiden. 

Genauso unangenehm wäre es für die Lehrkraft zu sagen: Eventually, we could make a class trip next year. Nein, bitte nicht. Eventual(ly) heißt letzendlich. Das deutsche Wort eventuell ins Englische übertragen  ist possibly. Korrekt wäre es also zu sagen: Possibly, we could make a class trip next year.

Can you tell me the ground why you cannot go into the cinema with me? Oje, was für ein Beziehungskrach bahnt sich jetzt an? Wenn nun aber beide nicht darüber lachen können, so sollten sie vielleicht sowieso ihre gemeinsame Zukunft überdenken. Ground bezeichnet den Boden und nicht den Grund, der mit reason übersetzt werden muss. Der richtige Satz müsste daher lauten: Can you tell me the reason why you cannot go into the cinema with me.

Nicht weniger amüsant ist es, wenn ein Paar über die bevorstehenden Hauskauf-Pläne spricht und der nichtmuttersprachliche Part dann sagt: And then, we can spare 500 € a month so that we can buy a house in two years.

Oh, please spare me with your English, könnte man darauf in einer netten Art und Weise  erwidern. Denn das englische Wort für sparen ist to save. To spare heißt dagegen, jemanden verschonen. Nun stelle man sich vor, die lang ersehnte Wohnung ist gekauft worden, die Sektkorken knallen und Sie sagen zu Ihrem englischsprachigen Partner: „Let’s have some sect.“ Nur, dass Sekt sparkling wine heißt. Das ähnlich geschriebene, aber genauso gesprochene Wort sect bedeutet Sekte, also zwei absolut unterschiedliche Übersetzungen.

Don’t forget to put on a long hose. It is very cold outside. Äh, ja, nur, das hose Schlauch bedeutet. Das englische Wort für das gesuchte Kleidungsstück ist trousers (BE) oder pants (AE).

Wenn wir schon gerade bei Kleidungsstücken sind, so ist hier ebenfalls ein false friend zu erwähnen, dem man gerne auf Shoppingtouren mit einem englischen Freund in die Falle geht. Voller Freude sieht man die tolle, rote Bluse und möchte nur noch einen Blick auf das Etikett werfen. Can you tell me what the etiquette says?, fragen Sie hier vielleicht Ihren englischen Freund. Der wird Sie aber nur verwirrt anschauen oder verschmitzt lächeln. Can you tell me what the label says, wäre hier die korrekte Variante.

I have the meaning that this is wrong. Ja, dieser Satz ist auch falsch. Es muss heißen: My opinion is that this is wrong, denn meaning heißt Bedeutung.

Ein weiteres Missverständnis wird oft durch das Wort sensible ausgelöst. Die Bedeutung ist nicht die des Deutschen sensibel, sondern die deutsche Übersetzung ist vernünftig. Wenn man jetzt aber jemanden gerne als sensibel betiteln würde und dann meint He is a very sensible person, so hat man der Person eine ganz andere Charaktereigenschaft gezaubert.  Das englische Wort für sensibel ist sensitive. Wichtig evtl. auch, um den Charakter einer Person zu beschreiben – auch im Geschäftsleben.

Please, be still. Häh? Leise heißt quiet. Still heißt immer noch, der Satz „Bitte, sei immer noch“ ergibt entsprechend so gar keinen Sinn. Auch wieder ein false friend, der für deutliche Verwirrung sorgt.

In meinen Onlinekursen habe ich im Laufe der Jahre aber auch festgestellt, dass false friends nicht nur im privaten oder Schulleben zum Problem werden, sondern auch im  Business English keinen Halt machen. So gehört zum nötigen Equipment einer Präsentation auf keinen Fall der Beamer, sondern der computer projector. Wenn jemand das actual document verschicken soll, weiß er sicherlich nicht, was er tun soll. Richtig wäre hier the updated document für das deutsche aktualisierte Dokument. Wer die fabric besuchen möchte, erntet ebenfalls Unverständnis, denn das deutsche Wort von fabric ist Stoff. Fabrik heißt korrekt factory. Auch wenn man Termine vereinbart, insbesondere im Business English, muss man etwas aufpassen. So sollte man auf keinen Fall schreiben The meeting was terminated for 1 p.m., denn to terminate heißt auslöschen. Das korrekte Wort wäre to schedule, also The meeting was scheduled for 1 p.m. Auch bei Stellenausschreibungen für Universitäten sollte man aufpassen. Man kann nicht einfach das Wort academic für den deutschen Begriff Akademiker verwenden, obwohl es ähnlich aussieht und klingt. Angemessen und sprachlich korrekt ist folgende Version: We are looking for university graduates with teaching experience. Und bitte ebenso keine Ausschreibung publizieren wie We are looking for somebody with funded knowledge in sequencing DNA strings. Statt funded muss es sound heißen, wenn man von fundierten Kenntnissen sprechen möchte.

Our devise is to provide customized solutions for everyone. Stolz stellt man die eigene Firma auf einer internationalen Ausstellung vor – und – hat sich blamiert. Richtig müsst es heißen: Our motto is to provide customized solutions for everyone. Das englische Wort devise heißt letztwillige Verfügung oder auch etwas erdenken, also mal wieder eine ganz andere Bedeutung als das deutsche Wort. An dieser Stelle sollte noch ein anderer englischer Begriff erwähnt werden: device, z.B. von technical device – technisches Gerät.

Was nehmen wir aus all diesen Beispielen als Quintessenz mit? Im Zweifelsfall sollte man englische Wörter immer nachschlagen, um Verwirrung und unangenehme Situationen zu vermeiden. Außerdem sollten Wörter immer im Kontext gelernt werden, denn dieser ist das Wichtigste für den Gebrauch des korrekten Wortes. In der Regel steht auch im Wörterbuch kurz der Kontext erklärt, aber wer es eilig hat, überliest diesen gerne. Ist man sich sehr unsicher, so hilft doppeltes Nachschlagen: Man schlägt also ein Wort von Englisch auf Deutsch und von Deutsch auf Englisch nach. Dann sollten keine Probleme mehr entstehen. Fortgeschrittene Lerner benutzen außerdem gerne ein einsprachiges Wörterbuch, in dem es auch Beispiele für den Gebrauch des Wortes gibt. Abschließend heißt auch hier die Devise: üben, üben, üben. Man sollte sich nicht scheuen, Englisch zu sprechen, wann immer es möglich ist und im Zweifelsfall einfach nachfragen. Das wird einem keiner übelnehmen. Und nach und nach wird Ihnen der Kontext auch für false friends