Englisch lernen mit Freude, Spaß und Motivation

Tipps und Fakten rund um's Sprachenlernen

Wie sagten Oma und Opa doch immer so schön: “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr”. Ein Vorurteil, das sich auch heute noch hartnäckig in unseren Köpfen hält. Doch zählt man jenseits des 30. Lebensjahres tatsächlich bereits zu den “Gehirngreisen” und das Erlernen neuer Fähigkeiten wird biologisch bedingt zum zähen Kampf? Wir klären auf über den größten Mythos des Lernens und haben außerdem viele tolle Tipps, mit denen ihr auch nach der Schulbank noch erfolgreich Englisch lernen oder Jongleur oder Schachprofi werden könnt.

“Ab dem 18. Lebensjahr schrumpft das Gehirn”, verkündete die Neurowissenschaftlerin Katrin Amunts von der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Universität-Klinikums Aachen im Jahr 2008. Betroffen seien zunächst Teile des Hirns, welche für die Bewegungsabläufe und die Koordination komplexer Bewegungsabläufe verantwortlich seien, danach lassen sich auch in anderen Hirnarealen nach und nach Veränderungen feststellen.

Puh, das war’s dann also mit unserer Denkentwicklung, sollte man meinen. Und tatsächlich: Wenn wir uns die Kids in der Schule anschauen, dann können wir oftmals nur staunen: Komplizierte Mathematikaufgaben, Englischunterricht und oft auch noch Französisch oder andere Fremdsprachen stehen neben Naturwissenschaften auf dem Stundenplan. Trotzdem erledigen die Kleinen im Vergleich zu uns Erwachsenen ihr Lernpensum mit links, begeistern sich neben der Schule noch für verschiedene Hobbys und brennen darauf, die Welt zu erkunden. Unsereins müht sich da womöglich schon beim neuen Zumba-Training oder im Sprachkurs für Business Englisch ab.
Doch gerade in unserem Zeitalter der Digitalisierung stehen wir Berufstätigen immer häufiger vor neuen Herausforderungen. Der Einsatz neuster Technik, die es zu beherrschen gilt, geht an nahezu keinem Berufsfeld mehr vorüber. Und wer in großen Unternehmen tätig ist, sollte nicht nur Englisch sprechen können, sondern gerne auch weitere Fremdsprachenkenntnisse vorweisen. Manch einer wünscht sich da, er habe schon viel früher mit dem Sprachunterricht begonnen. Was bitte lässt sich mit einem schrumpfenden Hirn denn auch noch erreichen?
Das Gehirn lässt sich wie ein Muskel trainieren
„Viel, wenn die Bedingungen stimmen“, sagen Wissenschaftler aus der Hirnforschung. Denn auch wenn sich kurz nach der Pubertät das Volumen unseres Denkorgans bereits verringert, so verlieren wir eines jedoch nicht: die Fähigkeit zur neuronalen Plastizität.

Oh je, bitte was?

Was so wahnsinnig kompliziert klingt, meint nichts anderes als die wunderbare Eigenschaft unseres Gehirns, sich flexibel auf neue und komplexe Einflüsse einzustellen.

Nachgewiesen wurde das durch eine umfangreiche Studie von Arne May ebenfalls im Jahr 2008, die sich den düsteren Erkenntnissen Amunts entgegenstellt.

Knapp 50 Männer und Frauen im Alter von 50 bis 67 Jahren wurden dafür drei Monate lang im Jonglieren unterrichtet. Das Ergebnis verblüffte auch die Forschungswelt. Denn die Fortschritte waren nicht nur mit bloßem Auge, sondern auch per Kernspintomografie deutlich zu erkennen: Bei allen Teilnehmern war der Hippocampus, ein zentrales Areal für das Lernen und das Gedächtnis, sowie der Nucleus accumbens, ein Teil des Belohnungszentrums, gewachsen. Gleiches ließ sich bei einer Gruppe von Militärdolmetschern beobachten, die über einen bestimmten Zeitraum intensiven Sprachunterricht in einer weiteren Fremdsprache erhielten.

Sobald wir uns also intensiv mit etwas Neuem auseinandersetzen, passen sich unsere Synapsen, Nervenzellen und sogar ganze Hirnareale in ihrer Anatomie sowie in ihrer Funktion an die Veränderungen an – und das bis ins hohe Alter hinein.

Das Geheimnis der Kinder

Dass Kinder so schnell und scheinbar mühelos neue Sprachen wie etwa Englisch lernen, während wir jede Menge Biss und Disziplin benötigen, ist somit offensichtlich keine Alterserscheinung. Dabei liegen die Gründe beim genaueren Hinsehen auf der Hand:

1. Kinder lernen anders, nämlich intuitiv

Trotz diverser Studien, die das Gegenteil beweisen, hält sich der Mythos, dass Kinder schneller lernen, hartnäckig. Sie lernen jedoch einfacher, da sie aufgrund mangelnder Erfahrung nicht auf erworbene Lernstrukturen zurückgreifen können und daher Neues angehen, ohne es zu hinterfragen. 

Während Erwachsene über eine Vielzahl an kognitiven Fähigkeiten verfügen mit denen sie die Welt erfahren, ist das Gehirn der Kinder, insbesondere von Kleinkindern, noch viel flexibler. Man denke allein an die große Phantasie, die Kinder an den Tag legen. Sie sind noch nicht von ausgeprägten Denkmustern bestimmt, sondern nähern sich neuen Lerninhalten spielerisch. Stupides Vokabeln lernen fruchtet auch bei Kindern nicht, sie beschäftigen sich vor allem in den ersten sechs Jahren auf spielerische Weise mit Fremd- bzw. Zweitsprachen ohne sich mit Grammatikregeln zu beschäftigen. Mit Spaß und ohne Zwang lässt sich eben alles viel leichter bewältigen.

2. Kinder sind unbedarft und haben keine Angst vor Fehlern

Traurig, aber wahr: Erwachsene haben viel zu viel Angst davor, Fehler zu machen, zu scheitern und sich zu blamieren. Kindern gestehen wir es bedingungslos zu, sich auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln – wir hingegen bleiben lieber stumm als uns mit einer fehlerhaften Grammatik oder falscher Aussprache scheinbar lächerlich zu machen. Dabei ist längst kein Meister vom Himmel gefallen. Wer etwa Englisch lernen oder seine Schulkenntnisse auffrischen will, der braucht vor allem eins: Übung, Übung, Übung und zwar durch praktische Anwendung. Geige spielen lässt sich schließlich auch nicht ohne schiefe Töne erlernen.

3. Es liegt in der Natur des Kindes, sich täglich neuen Herausforderungen zu stellen

Je älter wir werden, desto mehr haben sich heimlich, still und leise gewisse Gewohnheiten fest in unser alltägliches Leben eingeschliffen. Statt Abenteuerlust macht sich mehr und mehr Gemütlichkeit breit. Neue Aktivitäten mögen zwar noch ihren Reiz versprühen, für deren Umsetzung braucht es meist aber, wenn überhaupt, bereits mehrere Anläufe.

Kinder hingegen saugen die Welt mit allen Sinnen auf und bekommen von Aufregung nicht genug. Kein Baum ist zu hoch, kein Tier zu groß und keine Aufgabe zu schwierig, um sie nicht einmal auszuprobieren oder nachzumachen. Denn eines wissen sie genau: Niemand findet es schlimm, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt.

Tipps und Tricks für Erwachsene

Was also tun, damit wir uns beim Englischunterricht leichter tun und die Motivation und Freude am Lernen nicht verlieren? Insbesondere der Druck, Fehler zu vermeiden, lässt sich schließlich nicht von heute auf morgen abschütteln. Über die Jahre habe ich als Englischlehrer in meiner Sprachschule train-express-languages jedoch eine Reihe von Tipps gesammelt, wie du die Sprache neben dem Englischunterricht ganz einfach und zugleich lebensnah in deinen Alltag integrieren kannst. Entscheide selbst, was dir am besten liegt:

  1. Wie wäre es zum Beispiel mit einem gemütlichen Filmabend? Such dir einen Film in seiner Originalversion aus, der dich interessiert und schaue ihn zur Verbesserung des Hörverstehens mit englischen Untertitel. Anfangs ist es völlig normal, wenn du evt. nicht ganz folgen kannst, doch du wirst sehen, das gibt sich schnell. Alternativ bietet sich auch die Lieblings-DVD in Originalversion an. Da dir der Inhalt schon bekannt ist, kannst du dich so voll und ganz auf die Fremdsprache konzentrieren ohne den Bezug zur Handlung zu verlieren.
  1. Auch der Weg zur Arbeit lässt sich durch ein Hörbuch auf Englisch spielend leicht aufpeppen. Beginne mit etwas Einfachem, zum Beispiel mit einer Kindergeschichte oder einem Buch, das du bereits auf Deutsch gelesen hast. Oder du greifst abends statt zur Fernbedienung einfach mal 15 Minuten zu einem spannenden Buch. Ganz nebenbei dringen Wortschatz, Satzbau und Grammatik so in dein Unterbewusstsein.
  1. Höre bewusst englische Songs oder auch Kinderlieder und versuche, den Text mitzusingen. Das macht nicht nur gute Laune, sondern festigt das bisher Gelernte.

 

  1. Hast du einen Freund, einen netten Arbeitskollegen oder gar einen Partner, der gut Englisch sprechen kann? Dann schreib ihm doch ab und zu eine freundliche Nachricht oder ein kleines Briefchen. Er/Sie freut sich sicher über die unverhoffte Aufmerksamkeit und du trainierst ganz nebenbei Vokabular, Grammatik und Rechtschreibung.
  1. Du liebst kochen, backen und brutzeln? Dann gönn dir ein neues englisches Rezeptbuch und verbessere dein Englisch, während du was Tolles in der Küche zauberst. Noch spannender wird es, wenn du typisch englische Rezepte nachkochst und so auch noch etwas über die britische Esskultur erfährst.

Wenn du mit diesen Tipps nach ein paar Wochen schon etwas sicherer bist, dann ist es Zeit für den nächsten Schritt. Überwinde dich und probiere deine erworbenen Kenntnisse doch einfach in der Praxis aus.

  1. Gerade in Großstädten prallen die unterschiedlichsten Kulturen und Herkunftsländer aufeinander. Da wundert es niemanden, wenn du dich auf Englisch nach dem Weg zum Bahnhof, nach der Uhrzeit oder über eine besondere Sehenswürdigkeit erkundigst. Dabei geht es weniger um’s Englisch sprechen lernen als vielmehr darum, deine Scheu vor’m Sprechen der anderen Sprache zu überwinden.
  1. Du polierst dein Englisch für den Job auf? Dann melde dich das nächste Mal trotz Muffensausen freiwillig, wenn dein Chef jemanden für eine Präsentation oder das Aufsetzen eines Textes auf Englisch sucht. Er wird dein Engagement zu schätzen wissen und du gewinnst an Erfahrung.
  1. Versuch im nächsten Urlaub nicht mehr mit deiner Muttersprache durchzukommen. Auch wenn du gerade in Touristengegenden sofort als Deutscher entlarvt wirst, verständige dich konsequent auf Englisch. Schon nach ein paar Tagen wirst du viel weniger nachdenken müssen, was du sagen möchtest.

Meinen Schülern bringe ich als erstes bei: Es ist wichtig, dass ihr Fehler macht und Erfahrungen sammelt. Sprache ist dazu geschaffen worden, um miteinander in Kontakt zu treten und um uns auszutauschen. Das Wichtigste ist also nicht die perfekte Beherrschung von Grammatik und Co, sondern dass wir uns miteinander verständigen können. Nur wer Sprache anwendet, erfüllt den Sinn und Zweck von ihr. Der Lernerfolg stellt sich dann von ganz alleine ein.